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Artikel im Weilheimer Tagblatt über die Arbeit der Weilheimer Tafel

"Tafel" in Oberbayern versorgt 480 Bedürftige – Besondere Einblicke in ein wöchentliches Mammutprojekt

Die „Weilheimer Tafel“ versorgt jede Woche rund 480 Menschen. Ein ausgeklügeltes System sorgt dafür, dass das gut funktioniert. Die Heimatzeitung blickte hinter die Kulissen.

Weilheim – Einmal pro Woche werden im evangelischen Gemeindehaus Weilheim Zentner von Lebensmitteln bewegt. Ehrenamtliche schaffen Obst und Gemüse, aber etwa auch Molkereiprodukte und Brot herbei. Mit viel Elan sichten und sortieren Helfer die Ware, damit diese an die Bedürftigen der „Weilheimer Tafel“ ausgegeben werden kann. Ein Mammutprojekt, von dem an die 480 Menschen profitieren, die die Hilfe dringend brauchen. Redakteurin Stephanie Uehlein war an einem Donnerstag im Juli vor Ort und arbeitete ein wenig mit.
Bei den Menschen, die sich an jenem Donnerstag bei der „Weilheimer Tafel“ mit Waren eindecken, ist viel Dankbarkeit für das Angebot spürbar, das sie jeweils für einen Euro nutzen können. Doch wohl die wenigsten der Abholer wissen, mit wie viel Vorbereitung die Ausgabe im Hof des Gemeindehauses verbunden ist. Denn das Essen, das die Kunden in ihren mitgebrachten Tüten, Taschen und Einkaufstrolleys mitnehmen, wurde ab dem Morgen nach einem ausgeklügelten System und in stundenlanger Sortierarbeit vorbereitet. Dabei mussten auch Stapel von blauen Lieferkisten, die mit dem Kleinlastwagen der „Tafel“ herbeigeschafft worden waren, geleert werden. Das Ziel des Prozederes: am Ende nur etwas herauszugeben, das sich noch gut für den Verzehr eignet, und jedem Abholer eine bunte Mischung an Waren zu bieten.
Das Sortieren ist durchaus aufwendig, denn bei weitem nicht alles, was der „Tafel“ entgegenkommenderweise von Supermärkten gespendet wird, ist noch für den Konsum geeignet. Ob Tomaten, Pfirsiche oder Zucchini: Immer wieder landet an besagtem Donnerstag Ware, die nicht mehr an Kunden weitergegeben werden kann, im Abfall. Teils muss sie am Recyclinghof entsorgt werden, teils findet sie aber noch Verwendung, und zwar als Tierfutter, wie Wolfgang John erklärt: „Helfer von uns nehmen etwas für ihre Hühner und Schweine mit.“ John, der die „Tafel“ mit Christian Hüsken leitet, ist bereits seit sechs Uhr morgens wegen der Vorbereitungsarbeiten im Gemeindehaus.

Die Ehrenamtlichen, mit denen er locker und mit Humor umgeht, arbeiten zügig. Unter ihnen ist die 75-jährige Agnes Schwabe. Beim Sortiereinsatz für die „Tafel“, bei der sie in der Regel alle zwei Wochen tätig ist, steht sie meist beim Obst und Gemüse. Ihre Motivation für das Ehrenamt ist, etwas Gutes tun zu können, wie sie sagt. Außerdem freue sie sich, unter Menschen zu sein.

„Guten Morgen vom Garten“
Eine Schachtel fällt auf der langen Edelstahl-Sortiertheke im Gemeindehaus besonders auf: In ihr liegt ein Zettel auf dem „Guten Morgen vom Garten“ steht; jemand hat der „Tafel“ eine ganze Reihe erntefrisch aussehender Zucchini gespendet. Neben den Supermärkten hat die Anlaufstelle für Bedürftige nämlich auch noch andere Unterstützer, zu denen Privatleute genauso gehören wie Bäckereien. Die „Tafel“ kauft zudem selbst Ware ein. Sie nutzt dabei Pfandbons, die von Supermarktkunden gespendet wurden. An dem Donnerstag im Juli können sich die Abholer über Nudelpackungen und Gläser mit Tomatensoße freuen, die auf diese Weise beschafft wurden. Ein anderes Mal steht für sie etwa Waschmittel zum Mitnehmen bereit, wie John anhand eines ausgedruckten Planes erläutert.
Lieferboxen, die im Laufe des Donnerstagvormittags von Helfern geleert werden, kommen danach gleich auf den Hof, um dort gereinigt zu werden – auch das ist Teil des ausgeklügelten Systems. Kurt Sebetovsky, der sich dieser Aufgabe annimmt, hat sich vor 13 Jahren dem Team der „Weilheimer Tafel“ angeschlossen. Lange war er für diese als Fahrer im Einsatz. Selbst wenn es gerade Putzen ist: Sebetovsky hat, wie er erklärt, Freude an seinem Engagement. Für andere da zu sein, sei ihm eine Herzensangelegenheit, was auch schon in der Jugendarbeit im Sport zum Tragen gekommen sei.

Es gibt auch einen Lieferservice
Vor grünen Kisten, in denen sich Brotlaibe, Semmeln und andere Backwaren befinden, steht Brigitta Neuhaus, die diese Ware in braune Papiertüten verpackt. Sie zeigt drei miteinander verbundene Semmeln und weist darauf hin, dass diese im Laden an die vier Euro kosten. Neuhaus ist die Freude anzumerken, dass sie solche Ware für Menschen verpacken kann, die aufgrund ihres geringen Budgets wohl zumeist auf so etwas verzichten müssen.
Der Großteil der von Neuhaus vorbereiteten Tüten wartet auf die Abholung am Nachmittag. Doch eine Reihe von ihnen steht in einem Raum des Gemeindehauses bereit, um zusammen mit anderer Ware noch am selben Tag ausgefahren zu werden. Denn die „Weilheimer Tafel“ versorgt nicht nur etwa 120 Selbstabholer samt Angehörigen, sondern auch über 30 Haushalte, die per Fahrzeug beliefert werden. Dieser Service helfe Menschen vom Kindesalter bis zu 96 Jahren, erklärt einer der Ehrenamtlichen. Das Liefergebiet reiche, grob gesagt, von Unterhausen bis Huglfing.

Wie könnte es bei der guten Organisation anders sein?: Als die „Tafel“-Kunden an besagtem Donnerstag ab 13.30 Uhr bei Sommerhitze zum Abholen ihrer Ware kommen und aus einer Art „Wartebereich“ einzeln an die Ausgabe vorgelassen werden, ist schon eine ganze Weile alles für die Verteilung vorbereitet. Obst und Gemüse wurden auf grüne Kisten aufgeteilt. So kann jeder Abholer den bunt gemischten Inhalt einer solchen Box mitnehmen. Der Inhalt variiert dabei, denn nicht für alle kann das Gleiche bereitgestellt werden.
Dieses Vorgehen wird von den „Tafel“-Kunden – Menschen sehr unterschiedlichen Alters und verschiedener Nationalität – gut akzeptiert, so ist es zumindest an dem Donnerstag im Juli zu beobachten. Sonderwünsche – etwa nach einem bestimmten Salat – werden den Möglichkeiten entsprechend erfüllt. Ein Mann fragt nach roten Blumen. Und auch dieser Wunsch kann erfüllt werden: Im Schatten stehen ein paar Eimer mit gespendeten Blumensträußen – darunter einer mit dunkelroten Rosen. Die besonderen Bedürfnisse muslimischer Kunden werden übrigens schon beim Herrichten der Ware berücksichtigt.

Ein Herz für Sonderwünsche
Ein paar Sonderwünsche, weil sie nicht alle Lebensmittel verträgt, hat auch eine 77-Jährige aus Weilheim, die zu einem kurzen Zeitungsgespräch bereit ist. Weil ihre Rente gering ist, kommt die allein lebende Frau, die einen Handwerksberuf gelernt und als Verkäuferin gearbeitet hat, seit 2017 zur „Weilheimer Tafel“. „Ich werde von den Helfern sehr verwöhnt“, sagt sie. „Ich bekomme sogar Grießbrei und Milchreis, die normalerweise für Kinder gedacht sind.“ Aber auch frischer Salat, Gurken und Gemüse sind bei ihr sehr willkommen. Das Angebot der „Tafel“ helfe ihr stark, über die Runden zu kommen, erklärt sie.
Wer zur Ausgabezeit (in der Regel donnerstags 13.30 bis 15 Uhr) Ware im Hof des Gemeindehauses abholen will, benötigt einen „Tafel“-Ausweis. Dieser wird etwa auch an Menschen vergeben, die Bürgergeld oder Grundsicherung bei Erwerbsminderung erhalten. Da es bei der „Weilheimer Tafel“ weiter einen Aufnahmestopp wegen hoher Auslastung gibt, werden jedoch nur noch in bestimmten Fällen – wie bei akuten Notlagen – neue Ausweise ausgegeben (wir berichteten).

Rund 80 Menschen, darunter viele Senioren und auch ein paar „Tafel“-Gäste, sind bei der Einrichtung derzeit als Ehrenamtliche tätig. Etwa 30 bis 35 von ihnen sind pro Öffnungstag, zu dem jeweils auch eine Brotzeitpause gehört, im Einsatz. Sie sind dabei unterschiedlich lang aktiv. Annegret Schnatz und Ursula Rebel gehören zu den Freiwilligen, die an besagtem Donnerstag trotz Hitze lange vor Ort sind. Während sich Rebel viel um Obst und Gemüse kümmert, hat Schnatz eine andere Funktion: Sie ist für das Herrichten und die Ausgabe von Kühlware wie Wurst und Heringssalat zuständig. Bei Sommerwetter sei das genauso eine Herausforderung wie bei Minusgraden, sagt sie.

Auch Geldspenden sind willkommen
Die Arbeit der „Tafel“, als deren Träger die „Evangelische Gemeindediakonie in Weilheim“ fungiert, ist nur durch den Einsatz der Ehrenamtlichen – vom Büro über die Beschaffung von Waren bis zu deren Ausgabe – und durch Spenden möglich. John betont: „Wir sind eine gemeinnützige Organisation, keine staatliche, wir sind unabhängig und können selbst entscheiden. Wir tendieren zu keiner Partei, keinen Interessengemeinschaften oder sonstigen Lobbys.“ Geldspenden an die „Weilheimer Tafel“ sind auf dem Konto mit der IBAN DE82 7035 1030 0009 0931 96 willkommen. (Weilheimer Tagblatt, 02.08.2026)

 

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